Jedes Jahr infizieren sich mehr als eine halbe Million Patienten in Krankenhäusern mit Keimen, mehr als Zehntausend Patienten sterben an den Folgen einer solchen Infektion. Detlef Fastré, Hygienebeauftragter Arzt in der Klinik LINKS VOM RHEIN und Facharzt für Anästhesiologie über die Gefahren, die von Krankenhauskeimen ausgehen, und was man dagegen tun kann.

Herr Fastré, Wie entstehen sogenannte Krankenhauskeime und warum sind sie so gefährlich?

Jeder Mensch trägt Millionen von Keimen mit sich: auf der Haut, auf Schleimhäuten, im Darm. Dazu gehören auch die sogenannten multiresistenten Keime, also solche, die nur noch sehr eingeschränkt mit Antibiotika bekämpft werden können, weil sie resistent geworden sind. Sie werden auch als MRSA- Keime bezeichnet. Dringen diese Keime in den Körper ein, zum Beispiel durch eine Wunde oder einen Katheter, kann es zu Infektionen kommen, die schwer zu behandeln und gefährlich sind.

Kliniken bergen die höchsten Risiken, sich mit multiresistenten Erregern zu infizieren. Die Gründe sind nachvollziehbar: Invasive Untersuchungen erleichtern den Bakterien das Eindringen in den Körper. Und in Krankenhäusern – insbesondere in Akutkrankenhäusern und auf den Intensivstationen – sind viele Patienten zu finden, deren Immunsystem ohnehin geschwächt ist. Diese Patienten können den multiresistenten Keimen besonders wenig Widerstandskraft entgegensetzen. Andere begünstigende Faktoren sind beispielsweise Diabetes, Infektionen wie Grippe, Brandverletzungen oder chronische Wunden.

Gesunde und widerstandsfähige Personen, so haben Untersuchungen gezeigt, werden nicht zwangsläufig krank, wenn sie mit multiresistenten Keimen in Kontakt kommen. Vielfach reichen lokale Behandlungen aus. In vielen Fällen – auch das ist nachgewiesen – verschwinden die Keime sogar von selbst. Naheliegend ist damit allerdings auch die Schlussfolgerung, dass viele von uns gar nicht wissen, ob sie selbst Träger von multiresistenten Keimen sind. Wer selbst nachweislich Träger von multiresistenten Keimen ist, hat eine besondere Verantwortung, damit er andere nicht in Gefahr bringt. Am häufigsten erfolgt eine Übertragung von Mensch zu Mensch, insbesondere über die Hände. Unwesentlich ist dabei, ob der Träger der Keime dabei „nur“ besiedelt ist oder ob er erkrankt ist und eine Infektion mit multiresistenten Keimen hat. Dasselbe gilt für Tiere.

Eine weitere Quelle der Keime sind verunreinigte Gegenstände wie Handläufe, Türklinken, Griffe oder Handtücher, aber auch über die Kleidung kann eine Übertragung stattfinden. Schützen kann und muss man sich und andere selbst. Hierzu gehören besondere Hygienemaßnahmen und insbesondere eine gründliche Händehygiene.

Wie findet man heraus, ob man die gefährlichen Keime in sich trägt?

Durch ein sogenanntes MRSA-Screening. Dieses Screening besteht aus Probeentnahmen, also Abstrichen, von der Nasen- und Mundschleimhaut. Besteht tatsächlich eine Besiedelung mit MRSA- Keimen, werden Operationen wenn möglich – entscheidend ist dabei die Dringlichkeit des Eingriffs – so lange verschoben, bis die MRSA-Keime erfolgreich beseitigt wurden.

Wer selbst nachweislich Träger von multiresistenten Keimen ist, hat eine besondere Verantwortung, damit er andere nicht in Gefahr bringt. Am häufigsten erfolgt eine Übertragung von Mensch zu Mensch, insbesondere über die Hände. Unwesentlich ist dabei, ob der Träger der Keime dabei „nur“ besiedelt ist oder ob er erkrankt ist und eine Infektion mit multiresistenten Keimen hat. Dasselbe gilt für Tiere. Eine weitere Quelle der Keime sind verunreinigte Gegenstände wie Handläufe, Türklinken, Griffe oder Handtücher, aber auch über die Kleidung kann eine Übertragung stattfinden. Schützen kann und muss man sich und andere selbst. Hierzu gehören besondere Hygienemaßnahmen und insbesondere eine gründliche Händehygiene.

Wie lässt sich das Infektionsrisiko mit Krankenhauskeimen noch eindämmen?

Wie mit MRSA-Patienten umzugehen ist, wird im obligatorischen Hygieneplan festgeschrieben, der strengen Kontrollen unterliegt und regelmäßig überprüft und weiterentwickelt werden soll. Viele Kliniken, so auch die Klinik LINKS VOM RHEIN, gehen jedoch deutlich weiter. Sie betreiben eine aktive Patientenaufklärung und machen bei allen Patienten vor der Aufnahme eine Befragung, um bei möglichen Risikopatienten vor der Aufnahme ein MRSA-Screening durchzuführen.

Warum ist das Risiko sich mit Krankenhauskeimen anzustecken in einer Praxisklinik geringer als in einem Krankenhaus?

Praxiskliniken nehmen eine andere medizinische Versorgung wahr als öffentliche Krankenhäuser. Das gesamte medizinische Spektrum ist ein gänzlich anderes. Die Operationen, die in Praxiskliniken vorgenommen werden, werden überwiegend ambulant gemacht, ein Verbleiben der Patienten in der Praxisklinik findet damit nicht statt. Zudem handelt es sich in aller Regel um geplante Eingriffe, die eine gewisse Vorlaufzeit haben. Das ermöglicht es, dass ausnahmslos alle auch kurzstationär geplanten Patienten an der Risiko-Befragung teilnehmen und im Zweifelsfall ein MRSA-Screening absolvieren. Hinzu kommt ein weiterer Punkt: Die stationären Patienten in Praxiskliniken sind von ihrem allgemeinen Gesundheitszustand her sehr stabil. Das führt zum einen dazu, dass die Aufenthalte sehr kurz sind (meist 1-3 Tage), und zum anderen ist schon durch den guten Gesundheitszustand das Infektionsrisiko weitaus geringer.

Begünstigt die Größe eines Krankenhauses automatisch die Verbreitung von Krankenhauskeimen?

Große Einrichtungen haben notwendig ein höheres Risiko, dass sich multiresistente Keime ausbreiten. Allein das Aufkommen von Keimen ist in Krankenhäusern mit vielen medizinischen Abteilungen deutlich höher. Dazu trägt bei, dass in der medizinischen Notfallversorgung alle Patienten aufgenommen werden müssen. Auch eine Befragung aller Patienten findet nicht regelhaft statt. Hinzu kommen Abteilungen, die durch die Art der Erkrankungen eine erhöhte Keimbelastung haben, und die längere Verweildauer der Patienten trägt ebenfalls dazu bei, dass das Risiko höher ist als in kleinen Einrichtungen.

Apropos lange Verweildauer: In Deutschland werden im internationalen Vergleich noch immer sehr viel mehr Operationen stationär in Krankenhäusern durchgeführt, obwohl es längst möglich wäre, dieselbe medizinische Leistung ambulant oder kurzstationär in einer Praxisklinik zu erbringen. Für die Krankenhäuser sind stationäre Operationen mit langer Verweildauer jedoch finanziell sehr attraktiv. Werden deutsche Patienten durch die hohe Zahl stationärer Operationen einem unnötigen Risiko ausgesetzt?

Ja, eine konsequente Förderung des Praxisklinik-Modell würde das Infektionsrisiko für viele Patienten deutlich verringern.

Könnten Krankenhäuser noch mehr tun, um das Infektionsrisiko einzudämmen?

Ja, in Ländern wie den Niederlanden oder Skandinavien, die als vorbildlich in Sachen Hygiene gelten, werden Patienten, die nicht nachweislich MRSA-frei sind, so lange isoliert, bis der Nachweis erbracht ist. Dieses Verfahren ist aufwändig und teuer. Die Kosten für die aufwändige Behandlung von Infektionen mit multiresistenten Keimen sind allerdings noch höher.

Die wichtigsten Aussagen von Dr. Detlef Fastré zum Thema Krankenhauskeime haben wir in einem Video zusammengefasst:

https://www.youtube.com/watch?v=PxMWpsDoO_o&t=4s

Wie groß das Problem mit multiresistenten Krankenhauskeimen noch immer ist, machte jüngst die Antwort auf eine parlamentarische Anfrage im Berliner Senat deutlich. Demzufolge infizierten sich in Berlin in den vergangenen zehn Jahren 3482 Patienten mit den gefährlichen Keimen. 534 der infizierten Berliner Patienten verstarben gar nach der Infektion. Denn haben die Keime erstmal eine Resistenz gegen Antibiotika entwickelt, ist die Gefahr für die Patienten extrem hoch. In ganz Deutschland sterben jährlich zirka 15.000 Menschen durch Krankenhauskeime. Die geschätzte Dunkelziffer liegt bei 40.000 Todesfällen.

Dabei ließen sich viele dieser Todesfälle verhindern, wenn in Deutschland endlich die sogenannten Praxiskliniken stärker gefördert und als voll anerkannter Partner im Gesundheitswesen etabliert werden. Praxiskliniken sind moderne OP-Zentren in privater Trägerschaft, in denen niedergelassene Fachärzte ihre Patienten vor allem ambulant operieren. Doch Praxiskliniken können noch sehr viel mehr leisten. Längst können durch den medizinisch-technischen Fortschritt Operationen, die früher zwingend stationär durchgeführt werden mussten, auch kurzstationär, als sogenannte krankenhausersetzende Operation, erfolgen. Dass das noch nicht in sehr viel größerem Maßstab geschieht, liegt unter anderem an der strengen Trennung zwischen dem ambulanten und dem stationären Gesundheitssektor.

Für den Patienten hat eine Operation in der Praxisklinik viele Vorteile. Verlässliche Termine, Behandlung durch einen vertrauten Arzt, Komfort sowie ein Personalschlüssel in der Pflege, der nicht zu Überlastung des Pflegepersonales führt. Hinzu kommt jedoch auch, dass das Infektionsrisiko in Praxiskliniken statistisch gesehen wesentlich geringer ist als im Krankenhaus.

Wie Studien der medizinischen Universität von South Carolina belegen, erhöht jeder Tag mehr im Krankenhaus die Gefahr, sich mit Krankenhauskeimen zu infizieren. Je kürzer also die Verweildauer dagegen ist, desto seltener treten Infektionen auf. Im Sinne der Patienten und des Gesundheitssystems ist es also, wenn die Patienten nicht länger als notwendig im Krankenhaus bleiben. Wie lange das ist, hängt vom jeweiligen Einzelfall ab.  Fakt ist: Im europäischen Vergleich gehört die Verweildauer von Patienten in Deutschland seit Jahren mit zu den höchsten. Die Gründe dafür liegen auch im Vergütungssystem. Denn die volle Fallpauschale kann erst ab einer gewissen Mindestverweildauer abgerechnet werden. Statistiken zeigen, dass der Aufenthalt in Praxiskliniken durchschnittlich kürzer ist als in den großen öffentlichen Plankrankenhäusern – und das bezogen auf dieselben Eingriffe. Auf das Ergebnis für die Patienten hat dies keinen Einfluss, auf die Kosten für das Gesundheitssystem hingegen schon.

Dass klassische Groß- und Plankrankenhäuser so große Probleme mit multiresistenten Keimen haben, ist möglicherweise auch ihrer Organisationsstruktur geschuldet. Immer häufiger lagern Krankenhäuser Aufgaben des medizinischen Betriebs an externe Dienstleister aus. Eine Umfrage aus Hamburg aus dem Jahr 2014 förderte beispielsweise zutage, dass ein Krankenhaus durchschnittlich mit 50 externen Dienstleistern zusammenarbeitet. Das macht eine effiziente Kontrolle der Abläufe schwierig.

Die wesentlich kleineren Praxiskliniken können dagegen sämtliche Prozesse sehr viel besser überwachen und kontrollieren. Die deutlich geringeren Infektionsraten belegen dies seit Jahren. Schon heute sind Praxiskliniken ein wichtiges Standbein im Gesundheitswesen. Dennoch fehlt bis heute eine Rahmenvereinbarung mit dem Spitzenverband Bund der Krankenkassen (SpiBu). Und das, obwohl diese Rahmenvereinbarung seit Jahren vom Gesetzgeber gefordert wird. Die Auswirkungen dessen tragen alle: Patienten und Steuerzahler. Vor allem gesetzlich versicherten Patienten stellen sich häufig noch hohe bürokratische Hürden entgegen, wenn sie sich für eine sichere Operation in der Praxisklinik entscheiden.

Ein neues Gutachten des Wissenschaftlichen Beirats des Bundesministeriums für Finanzen stellt dem deutschen Krankenhauswesen ein vernichtendes Zeugnis aus und mahnt eine dringende Strukturreform an. Genau dafür kämpft auch die Initiative WasisteinePraxisklinik.de, die aufzeigt, warum Praxiskliniken die Lösung für einige der drängendsten Probleme im deutschen Gesundheitswesen sein können.

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Pflegenotstand? Gefährliche Krankenhauskeime? Kostenexplosion im Gesundheitswesen? Klinik-Kollaps? Für Dr. med. Thomas Buchmann gibt es für all diese Probleme schon längst eine Lösung: die Praxisklinik als Alternative zum Plankrankenhaus

Dr. med. Thomas Buchmann hat eine Vision für das deutsche Gesundheitswesen. Ginge es nach ihm, kämen Patienten für eine Operation in eine Klinik, in der sie sich wohl fühlen und sogar den Arzt bereits kennen, der sie operieren wird. Es ist derselbe Arzt, der zuvor die Diagnose stellte und nach der Operation die Nachsorge übernehmen wird. Probleme mit gefährlichen Keimen gibt es in dieser Klinik nicht. Die Sterilisation erfolgt im Haus. Außerdem ist das Personal perfekt geschult, um alle nötigen Hygienestandards einzuhalten. In dieser Klinik, die sich Buchmann vorstellt, hat das Pflegepersonal noch Zeit für einen Plausch mit den Patienten. Beim Essen kann der Patient zwischen mehreren Menüs wählen, egal, ob er nun privat oder gesetzlich versichert ist. Es gibt freies WLAN, und auf dem Fernseher im komfortablen Patientenzimmer läuft Pay-TV. Für diesen Komfort müssen übrigens weder die Gemeinde noch die Stadt geradestehen. Die Klinik ist privat finanziert und bestreitet ihren Unterhalt selbst.

Weil Thomas Buchmann weiß, dass vieles an seiner Vision zu schön klingt, um wahr zu sein, hat er diese Klinik zusammen mit seinem Kollegen Uwe Rösing kurzerhand geplant und zusammen mit einem Investor gebaut: das OP-Zentrum Vest in Oer-Erkenschwick. „Selbst Privatpatienten sind oft verwundert, welchen Komfort wir bieten können“, erklärt Thomas Buchmann. In der Stimme des 53-Jährigen klingen Stolz und Zufriedenheit über das Patientenlob mit. Das OP-Zentrum Vest, das über 2 OP-Säle sowie 18 Betten verfügt, ist eine sogenannte Praxisklinik, in der niedergelassene Fachärzte ihre Patienten vorwiegend ambulant oder kurzstationär operieren können. Die beiden Anästhesisten Buchmann und Rösing, die zuvor schon erfolgreiche Einzelpraxen betrieben hatten, haben sich ganz bewusst für diese Klinikform entschieden. Buchmann und Rösing engagieren sich schon seit Jahren gesundheitspolitisch und verfolgen die Entwicklungen im deutschen Gesundheitswesen genau. Und die beiden sind sich sicher, dass der Praxisklinik die Zukunft gehört. Aber warum? Was macht eine Praxisklinik so besonders?

Um diese Frage zu beantworten, muss man ein paar Jahre zurückgehen und schauen, wie sich das ambulante Operieren in dieser Zeit entwickelt hat. Buchmann und Rösing haben es selbst erlebt. Zuvor waren die beiden als mobile Anästhesisten tätig. „Mit der Zeit haben sich die gesetzlichen Vorgaben für das ambulante Operieren immer weiter erhöht. Das geht los bei bestimmten bauliche Auflagen, Anforderungen an die Dokumentation und hört auf bei der Umsetzung der Hygienevorschriften. Für eine Einzelpraxis ist dieser mittlerweile sehr hohe Standard nur noch mit Mühe umzusetzen“, erklärt Buchmann. Die Lösung: Eine Praxisklinik, in der niedergelassene Ärzte alles vorfinden, um ihre Patienten stationsersetzend zu therapieren.

Doch warum sollten Patienten überhaupt ambulant und kurzstationär operiert werden? „Mittlerweile sind wir bei den OP-Techniken soweit, dass immer mehr Operationen ambulant durchgeführt werden können“, weiß Buchmann. „Für den Patienten entstehen daraus keine Nachteile. Im Gegenteil: Gegenüber dem klassischen Vollkrankenhaus können wir bei gleicher medizinischer Leistung in der Regel sogar mehr Komfort bieten, da wir kleiner sind und eine ganz andere Prozessqualität haben.“ Derzeit werden 75 bis 80 Prozent der Patienten im OP-Zentrum Vest ambulant operiert. Das heißt, dass die Patienten am Tag der OP aufgenommen werden und nach der OP gleich wieder nach Hause gehen können. Doch selbst bei größeren kurzstationären Operationen mit Übernachtung ist die Verweildauer in Praxiskliniken wie dem OP-Zentrum Vest oft niedriger als im Krankenhaus. „Auch hier kommt uns unsere Prozessqualität zu gute. Bei uns kümmert sich beispielsweise eine Pflegekraft um vier Patienten. Das ermöglicht uns eine viel gezieltere Reha und Schmerztherapie,“ erklärt Buchmann.

Für Thomas Buchmann bringt das Konstrukt der Praxisklinik für alle Seiten nur Vorteile mit sich: „Der Patient genießt mehr Komfort und hat Vertrauen in seinen Arzt. Zudem garantieren wir verlässliche OP-Termine. Der Arzt dagegen kennt und betreut den gesamten Fall und muss sich neben der Operation um nichts mehr kümmern. In den OP-Sälen steht dem Arzt modernste OP-Technik zur Verfügung. Das Pflegepersonal kann vernünftig mit den Patienten arbeiten. Die Hygiene ist, auch aufgrund der kleineren Struktur, vorbildlich. Und durch die geringere Verweildauer und schnellere Heilung kehren die Patienten auch schneller in die Arbeit zurück, wovon wiederum auch die Krankenkassen profitieren.“

Praxiskliniken seien das ideale Bindeglied zwischen dem ambulanten und dem stationären Gesundheitssektor. Und genau an dieser Stelle wird Buchmann grundsätzlich, denn noch immer wird die Behandlung in Praxiskliniken nicht von allen Krankenkassen bewilligt. Schuld ist eine fehlende Rahmenvereinbarung zwischen Praxiskliniken und Krankenkassen, die der Spitzenverband Bund der Krankenkassen seit Jahren blockiert. Das sich die Praxiskliniken nicht schon längst in größerer Zahl am Gesundheitsmarkt etabliert haben, liegt aber auch an der heftigen Gegenwehr der Krankenhauslobby. Diese versucht mit aller Macht, die Pfründe zu sichern, die durch den unnötigen Fokus auf stationäre Operationen entstehen. In keiner anderen europäischen Industrienation wird noch so häufig stationär operiert, wie in Deutschland. Dabei wäre es überhaupt kein Problem, ein sinnvolles Miteinander von Praxiskliniken und Krankenhäusern zu organisieren.

„Praxiskliniken sind DIE Lösung, um endlich Schluss zu machen mit der Dauerkrise in deutschen Krankenhäusern. Natürlich brauchen wir die großen Universitätskliniken, in denen die schweren Fälle behandelt werden und in denen geforscht und gelehrt wird. Aber wir haben viel zu viele Vollkrankenhäuser, die wir in dieser Form gar nicht benötigen und die sich aufgrund ihrer Größe auch gar nicht rechnen können“, erklärt Buchmann. Genau diese Problemfälle ließen sich durch flexible Praxiskliniken ersetzen, ohne, dass die medizinische Versorgung darunter leiden würde. Seine Vision: „Krankenhäuser könnten sich in Zukunft ganz auf die Intensiv- und Notfallmedizin konzentrieren, während die kleinen flexiblen Praxiskliniken sich um die ambulanten und kurzstationären Eingriffe kümmern.“ Bei dem prognostizierten und bereits vorherrschenden Bedarf an Pflegepersonal würde selbstverständlich auch niemand in die Arbeitslosigkeit geraten. Die vorhandenen Kräfte würden sich schlicht besser verteilen. Ein solches System könnte auch flexibler und ohne große Kosten an den tatsächlichen Betten- und OP-Bedarf angepasst werden.

Dass ein solches System funktionieren kann, zeigen Buchmann und Rösing sowie zahlreiche andere Praxiskliniken ja schon heute. Buchmanns Forderung an die Gesundheitspolitik lautet daher: „Krankenhäuser zurückbauen und Praxiskliniken fördern.“ So wie es eigentlich schon seit Jahren im Gesetz steht. Gelänge dies, kämen schon bald alle Patienten in Deutschland in den Genuss einer komfortablen Behandlung, wie sie in Praxiskliniken wie dem OP-Zentrum Vest längst Standard ist.

 

Für Patienten, die ambulant operiert und höchstens kurze Zeit stationär bleiben müssen, sind Praxiskliniken eine gute Alternative zum Krankenhaus. Das zeigt das Beispiel einer Praxisklinik in Solingen.

SOLINGEN. Wenn man die Patienten fragen würde, wären Praxiskliniken längst ein fester Bestandteil des deutschen Gesundheitswesens, glaubt Jascha Rinke, Geschäftsführender Gesellschafter der Praxisklinik im Südpark in Solingen. "Praxiskliniken sind in vielen Fällen eine gute Alternative zur Krankenhausversorgung", sagt er der "Ärzte Zeitung". Denn sie verbinden die Vorteile aus der ambulanten und der stationären Versorgung.

In der Praxisklinik im Südpark operieren die Ärzte pro Jahr rund 7300 Patienten ambulant, 1200 werden stationär versorgt. Rund die Hälfte sind klassische ambulante Operationen, die andere Hälfte stationsersetzende Eingriffe. 90 Prozent der Patienten sind gesetzlich versichert. Grundlage für die Versorgung der GKV-Patienten sind Selektivverträge nach Paragraf 140a SGB V. "Wir haben Verträge zur besonderen Versorgung mit fast allen Krankenkassen", berichtet Rinke.

Die Praxisklinik ist 2012 aus dem ambulanten OP-Zentrum in Solingen hervorgegangen. Gesellschafter sind fünf Anästhesisten und der Gesundheitsökonom Rinke. Die Anästhesisten betreiben gleichzeitig eine anästhesiologische überörtliche Berufsausübungsgemeinschaft. "Die ärztlichen Leistungen der Praxisklinik sind abgekoppelt vom Management", sagt der Anästhesist Achim Bertram, einer der Gründer.

Die Praxisklinik steht anderen Operateuren offen. Sie können neben den Räumlichkeiten sämtliche Geräte, das speziell ausgebildete Personal und die Organisation nutzen. Dafür zahlen die kooperierenden Ärzte eine Gebühr. "Wir sehen uns als klassischer Dienstleister und stellen aus privater Hand sämtliche Ressourcen zur Verfügung", erklärt Bertram.

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Wer wissen will, woran es im deutschen Gesundheitswesen wirklich krankt, muss nach Solingen in die Praxisklinik im Südpark fahren und dort mit Achim Bertram und Martin Zebulka-Rinke reden. Die beiden Anästhesisten und Betreiber der Klinik gehören zu den Pionieren des ambulanten Operierens in Deutschland und haben in mehr als 20 Berufsjahren einen ebenso effizienten wie komfortablen OP-Standard entwickelt, der Patienten immer wieder staunen lässt und so manchem wie ein Märchen vorkommt. In der Regel können die Patienten der Praxisklinik im Südpark die Nacht vor und nach der OP zu Hause verbringen. Die Betreuung vor Ort erfolgt durch den persönlichen Facharzt und durch motiviertes Pflegepersonal, das sich hier noch wirklich Zeit für die Patienten nehmen kann. Auch die Verpflegung und die Ausstattung in den Patientenzimmern sind überdurchschnittlich. Fast könnte man von einem Paradies sprechen, wenn da nicht die medizinische Notwendigkeit wäre, die die Menschen in die Praxisklinik im Südpark führt.

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Schon vor Jahren hat die Gesundheitspolitik erkannt, dass Praxiskliniken für viele planbare Eingriffe eine kosteneffiziente, komfortable und medizinisch hochwertige Alternative zu großen Plankrankenhäusern sind und entsprechende Gesetze zur Förderung der serviceorientierten OP-Zentren mit Klinikbereich erlassen. Doch diese Gesetze werden einfach seit Jahren ignoriert und nicht umgesetzt.

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Eine Operation ist für Patienten immer mit Anspannung und Nervosität verbunden. Umso wichtiger ist das Vertrauensverhältnis zwischen Patient und Operateur – so wie es in Praxiskliniken gegeben ist.

Ob Meniskus- oder Glaukom-OP: Eine OP, so klein der Eingriff auch sein mag, bereitet dem Patienten immer Sorgen. Umso wichtiger ist, dass zwischen Patient und Arzt bereits vor der Operation ein Vertrauensverhältnis besteht. Stress hilft dem Patienten weder vor der OP noch danach bei der Heilung.

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Während man in deutschen Krankenhäusern den Kampf gegen den Pflegenotstand aufgegeben zu haben scheint, zeigen kleine und flexible Praxiskliniken, dass sich ein hoher medizinischer Standard und eine menschliche Pflege und Betreuung nicht ausschließen

Die Zahlen sind alarmierend: Mehr als die Hälfte des Pflegepersonals in Krankenhäusern fühlt sich psychisch und physisch sehr stark belastet. Die Folge: Erschöpfung. Zwei Drittel der Pflegekräfte klagt darüber, dass für die anstehenden Tätigkeiten und die Zuwendung für die Patienten nicht genügend Zeit zur Verfügung stehe. Ebenfalls ernüchternd ist die Tatsache, dass nur ein Drittel aller Pflegekräfte den Beruf weiterempfehlen würde. Während die Zahl der Operationen in Krankenhäusern seit 20 Jahren ständig steigt, ist die Zahl der Pflegekräfte im gleichen Zeitraum gleichgeblieben. Die Fallzahl pro Pflegekraft hat sich zwischen 1991 und 2016 von 45 auf 60 erhöht (Statistisches Bundesamt, 2016). Das ist eine Steigerung von mehr als 30 Prozent. Dass sich an diesem Zustand in Zukunft etwas verbessern wird, ist nicht abzusehen. Im Gegenteil: Erst im April hat sich die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) deutlich gegen den Vorstoß der Bundesregierung ausgesprochen, eine Mindestzahl an Pflegekräften auf den Stationen einzuführen.

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