Pflegenotstand, lange Wartezeiten auf Operationen, fehlende Kommunikation – die Mängelliste in deutschen Krankenhäusern ist lang. Darunter leiden vor allem die Patienten. Dass es auch anders geht, zeigen Praxiskliniken, in denen hohe medizinische Standards und eine verlässliche Organisation Hand in Hand gehen.

Es vergeht kaum eine Woche, in der in den Medien nicht über den unbefriedigenden Status quo in deutschen Krankenhäusern berichtet wird. Der Pflegenotstand ist längst zum Dauerzustand geworden. Ärzte klagen über den wirtschaftlichen Druck, der immer häufiger dazu führt, dass Operationsentscheidungen aus wirtschaftlichen und nicht aus medizinischen Gründen getroffen werden. Der Alltag in deutschen Krankenhäusern ist geprägt von Überarbeitung und Rationalisierungsdruck. Leidtragende dieser Situation sind die Patienten, deren Bedürfnisse auf der Strecke bleiben. Lange Wartezeiten auf Operationen, fehlende Kommunikation zwischen unterschiedlichen Krankenhaus-Abteilungen sowie zwischen Ärzten und Pflegepersonal sind häufiger der Normalfall als die Ausnahme. Die Mängelliste ist lang. Kein Wunder, dass sich viele Patienten im Krankenhaus allein gelassen fühlen. Das Wohlfühlen in deutschen Krankenhäusern ist eben keine Versicherungsleistung, die von der Kasse bezahlt wird. Doch warum eigentlich nicht?

Dass es auch anders geht, erleben Patienten schon heute in sogenannten Praxiskliniken. Diese Kliniken, die meistens viel kleiner sind als Stationen sogenannter Plan-Krankenhäuser, sind auf ambulante und kurzstationäre Eingriffe spezialisiert. Aufgrund des medizinischen Fortschritts können mittlerweile immer mehr Operationen ambulant, also ohne einen mehrtägigen stationären Aufenthalt, vorgenommen werden. Gegründet werden Praxiskliniken meist von engagierten Fachärzten. „Wir haben diese Entscheidung ganz bewusst getroffen, um unseren Patienten ein modernes, angemessenes Operationsumfeld zu schaffen, von dem wir als Ärzte letztlich auch profitieren. In der Klinik können wir selbst über OP-Ausstattung bestimmen, es gibt weniger Patienten pro Pfleger und bequeme Patientenzimmer“, erklärt Jascha Rinke von der Praxisklinik im Südpark die Vorteile einer Praxisklinik. Und davon gibt es noch mehr: Die Wartezeiten auf OP-Termine sind meist wesentlich kürzer als im Krankenhaus. Da Praxiskliniken keine Notfallambulanzen haben, ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich Operationstermine verschieben, sehr gering. Sogar auf die individuellen Terminwünsche des Patienten kann Rücksicht genommen werden. Die Kommunikation zwischen Ärzten, Pflegepersonal und Patienten funktioniert dank der kurzen Wege im Haus direkt und ohne Umwege. Serviceleistungen wie Hilfe beim Ausfüllen von Unterlagen oder Anfragen an die Krankenversicherungen sind in Praxiskliniken selbstverständlich. Kein Wunder, dass die Patientenzufriedenheit in Praxiskliniken besonders hoch ist. Über 99 Prozent würden ihre Klinik weiterempfehlen.

Obwohl Praxiskliniken heute bereits in erheblichem Maße zu einer modernen medizinischen Versorgung beitragen, sind sie noch immer nicht hinreichend im Gesundheitswesen verankert. Bisher sind daher lediglich privat versicherte Patienten in der Wahl der Klinik frei. Zwar können auch gesetzlich versicherte Patienten ohne Mehrkosten für die Krankenkasse in einer Praxisklinik behandelt werden, jedoch werden ihnen dafür häufig außerordentlich hohe bürokratische Hürden in den Weg gestellt. Grund dafür ist eine fehlende Rahmenvereinbarung zwischen Praxiskliniken und Krankenkassen. 2009 wurde diese Rahmenvereinbarung im Sozialgesetzbuch festgeschrieben, doch die Umsetzung wird von Seiten des Spitzenverbandes der Krankenkassen noch immer verschleppt. Das Wohlfühlen ist eben keine Versicherungsleistung. Dabei könnte es längst eine sein.